In der Welt des digitalen Marketings gab es lange eine klare Trennung: Auf der einen Seite die organische Suche (SEO), auf der anderen die bezahlten Anzeigen (SEA). Doch im Februar 2026 ist diese Grenze endgültig gefallen.
Was viele Experten erst für die ferne Zukunft prognostiziert hatten, ist nun Realität: OpenAI hat die Werbe-Ära in ChatGPT offiziell eingeläutet. Doch die Art und Weise, wie diese Anzeigen ausgespielt werden, unterscheidet sich fundamental von dem, was wir von klassischen Suchmaschinen kennen.
Der Status Quo: prominente Platzierung statt dezenter Hinweise
Die ersten Beobachtungen im US-Markt zeigen ein deutliches Bild: Die Anzeigen in ChatGPT sind weitaus „präsenter“, als viele gehofft hatten. Während man ursprünglich vermutete, dass Werbung erst nach einem längeren Dialog erscheint, werden Anzeigen nun oft direkt bei der ersten Anfrage geschaltet.
Sobald ein Nutzer eine kommerzielle Absicht (High Intent) signalisiert – etwa bei der Suche nach Reiseoptionen oder Software-Lösungen – liefert die KI nicht mehr nur eine neutrale Antwort, sondern platziert prominente „Sponsored“-Inhalte inklusive Marken-Logos direkt im ersten Antwort-Slot.
Die wichtigsten Fakten zum Ad-Rollout:
- Testmarkt: Der aktive Rollout begann im Januar/Februar 2026 für eingeloggte Nutzer in den USA.
- Betroffene Tarife: Anzeigen erscheinen in der kostenlosen Version sowie im neuen „ChatGPT Go“-Tarif. Die Premium-Abos (Plus, Pro, Enterprise) bleiben vorerst werbefrei.
- Interaktive Formate: Nutzer können direkt im Chat mit der Anzeige interagieren und Rückfragen zum Produkt stellen, ohne den Thread zu verlassen.
60 $ CPM: Warum KI-Werbung vorerst ein Luxusgut ist
OpenAI positioniert sich preislich am obersten Ende des Marktes. Der Tausenderkontaktpreis (CPM) zum Start liegt bei stolzen 60 $. Zum Vergleich: Das ist etwa das Dreifache dessen, was Werbetreibende aktuell im Durchschnitt für Video-Ads oder Social-Media-Kampagnen zahlen.
Diese hohen Kosten und die spekulierten hohen Mindestbudgets zwischen 200.000 $ und 1 Mio. $ für Pilotpartner zeigen deutlich: OpenAI zielt aktuell auf große Brands ab, die sich den First-Mover-Vorteil in einem Ökosystem sichern wollen, das täglich über 2,5 Milliarden Anfragen verarbeitet.
Der „wirtschaftliche Imperativ“: Warum OpenAI diesen Schritt gehen muss
Obwohl Sam Altman Werbung noch im Jahr 2024 als „letzten Ausweg“ bezeichnete, zwingt die ökonomische Realität das Unternehmen nun zum Umdenken:
- Massive Betriebskosten: Schätzungen zufolge könnte OpenAI bis 2030 rund 115 Milliarden Dollar an Barmitteln verbrennen, primär getrieben durch die gigantischen Infrastrukturkosten für Rechenleistung und Energie.
- Investitionsdruck: Das Unternehmen hat Verpflichtungen über 1,4 Billionen Dollar für KI-Infrastrukturverträge mit Partnern wie Microsoft und Oracle.
- Begrenzte Abo-Einnahmen: Da nur etwa 5 % der Nutzer für Premium-Modelle wie Plus oder Pro bezahlen, reicht dieses Modell nicht aus, um die Kosten der hunderte Millionen Gratis-Nutzer zu decken.
- Weg zur Profitabilität: OpenAI plant, bis 2026 rund 1 Milliarde Dollar durch die Monetarisierung von Gratis-Nutzern einzunehmen. Bis 2029 sollen sogar Werbeerlöse von bis zu 25 Milliarden Dollar generiert werden.
Die Einführung von Anzeigen ist somit kein bloßes „Add-on“, sondern die notwendige finanzielle Basis, um den kostenlosen Zugang zur Technologie langfristig zu sichern.
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Die neue Herausforderung: Sichtbarkeit in der „Black Box“
Für Marketer stellt sich eine entscheidende Frage: Wie beeinflussen Anzeigen die Neutralität der Antworten? OpenAI betont, dass die organische Logik der KI getrennt von den Werbesystemen läuft. Doch in einer Welt, in der die KI eine „Black Box“ bleibt – also ein System, dessen genaue Gewichtungen für Außenstehende verborgen bleiben – wird das Vertrauen zum wichtigsten Gut.
Wenn Anzeigen nun den direkten Weg in die Antwort finden, müssen Unternehmen umso stärker auf E-E-A-T-Signale (Expertise, Erfahrung, Autorität und Vertrauen) setzen, um nicht nur als „bezahlter Treffer“, sondern als verlässliche Empfehlung wahrgenommen zu werden.
Was das für Dein Unternehmen bedeutet
Der Einzug von Werbung in ChatGPT ist kein Grund zur Panik, aber ein Weckruf. Mit mittlerweile über 800 Millionen wöchentlichen Nutzern weltweit ist die Plattform schon lange kein Nischentool mehr. Vielmehr ist sie auf dem besten Weg ein neuer Standard für Information und Recherche zu werden. Während in den USA die Tests für ChatGPT Ads mit hohen Einstiegshürden weiterlaufen, verschiebt sich das digitale Spielfeld auch hierzulande massiv.
Die Notwendigkeit für Unternehmen, strategisch zu agieren, ergibt sich dabei vor allem aus der technologischen Natur der Systeme: Da LLMs als Wahrscheinlichkeitsmaschinen fungieren, ist organische Sichtbarkeit kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis einer tiefen Verankerung im digitalen Ökosystem.
Anstatt auf kurzfristige Anzeigenplätze zu warten, die aktuell ohnehin primär globalen Großkonzernen vorbehalten sind, müssen Marken ihre digitale Autorität so stärken, dass sie in der statistischen Masse der KI-Antworten als verlässliche Konstante stattfinden. Da KIs Informationen synthetisieren, statt nur Quellen aufzulisten, wird die sogenannte Zitierquote zur entscheidenden Währung im Marketing-Mix 2026. Wer heute investiert, um seine Inhalte für die algorithmische Verarbeitung zu optimieren, sichert sich langfristig eine Präsenz in den Entscheidungsprozessen einer Generation, die Informationen zunehmend über Chat-basiertes Retrieval statt über klassische Suchergebnisse konsumiert.
Letztlich führt der Weg zur dauerhaften Relevanz über eine glasklare Positionierung und echte Expertise, die von den Modellen als unverzichtbare Quelle erkannt wird – unabhängig davon, wie aggressiv Werbeformate in Zukunft platziert werden.
Fazit: Die Spielregeln werden neu geschrieben
Der Schritt von OpenAI markiert das Ende der werbefreien Ära für Gelegenheitsnutzer. Für Unternehmen bedeutet das: Der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit im Chat wird intensiver. Die Kombination aus hoher Nutzerfrequenz und gezielter Werbeplatzierung macht ChatGPT zum wichtigsten neuen Schlachtfeld im Marketing.
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